Santa Cruz

Luz del Mundo...

So vor genau 3 Monaten bin ich in Deutschland ins Flugzeug gestiegen, um meinen Freiwilligendienst hier in Bolivien anzutreten. Seitdem ist mir die Sprache hier verständlicher, die Menschen ein wenig vertrauter und das Wetter erträglicher...

So kann ich den Torwächter unseres Apartmentkomplexes nach einer Wegbeschreibung fragen, ohne fünf Mal nachfragen zu müssen. Außerdem verstehe ich auch die Kinder in meiner Arbeitsstelle viel besser. Zum Beispiel fällt mir das "Switchen" beim Unterrichten viel leichter.

Grade von meiner Arbeitsstelle möchte ich in diesem Eintrag mal ein bisschen erzählen. Wie vielleicht einige wissen, arbeite ich in der Einsatzstelle "Luz del Mundo". Luz del Mundo (übersetzt Licht der Welt) wurde von meiner Chefin, Gabriela, selbst vor einigen Jahren aufgebaut und ist im Prinzip wie ein Hort, in den die Kinder vor der Schule kommen können. Denn in manchen Schulen fängt der Unterricht erst nachmittags an. Geöffnet hat Luz del Mundo immer montags, mittwochs, freitags und samstags. Um 9 Uhr morgens treffen wir Freiwillige und die ersten Kinder dort ein. Um ca. 12 Uhr müssen sie dann auch schon wieder nach Hause, damit sie Zeit haben, sich umzuziehen und in die Schule zu gehen. Um 11:30 gibt es immer ein warmes Mittagessen, das meistens aus Reis oder Nudeln und Hühnchen oder Ei besteht. Danach muss jedes Kind seinen Teller abspülen und auf in die Schule!

Die ganze Einrichtung wird von Spenden finanziert, deswegen hat Luz del Mundo bis jetzt auch nur vier Tage in der Woche auf, da das Geld für mehr nicht reicht. Grade jetzt im "Sommer" kommen jeden Tag mehr Kinder, da bald die Schule zu Ende ist. Hier gibt es ab Ende November ca. 3 Monate Sommerferien und dann erwarten wir ca. 100 Kinder. 

Was ist eigentlich meine Aufgabe?

In den ersten Tagen habe ich vor allem die Kinder kennengelernt und versucht, mir ihre Namen zu merken. Das ist gar nicht so einfach, da ich sie erstens damals (es ist wirklich schon viel Zeit vergangen) nicht so gut verstehen konnte und sie Namen haben, die in Deutschland eher unüblich sind. Wobei wir auch ein Kind haben mit dem Namen Hans, dann gibt es noch Estefanie oder Aleyda und einige mit amerikanischen Namen wie Britney, Keitlin oder Deysi.

Nach dieser gefühlten "Einführung" habe ich dann auch schnell begriffen, dass ich sehr viel Eigeninitiative mitbringen muss. Neben den zwei Köchinnen, meiner Chefin und einem anderen Freiwilligen arbeitet sonst niemand dort. Zum Glück haben unsere Vorfreiwilligen gute Ideen hinterlassen. So führen wir zum Beispiel den wöchentlichen Englischunterricht der 7 bis 12-jährigen weiter. Letzten Samstag haben wir den "Body-Song" gelernt!

Montags und Freitags gebe ich noch jeweils einmal Deutschunterricht und Englischunterricht für die älteren Schüler. Das war zunächst sehr herausfordernd, da ich das ganz alleine mache, aber mit jedem Mal habe ich das Gefühl, ich bin besser vorbereitet. Ich entwickle meine eigenen Arbeitsblätter und mache mir Gedanken, was die Schüler gerne lernen würden. 

Neben dem Unterricht habe ich auch manchmal Zeit, mit den Kindern zu basteln oder auch Armbänder zu knüpfen. Außerdem habe ich auch schon einmal meine "Backkünste" unter Beweis stellen können. Ich habe mit den Kindern zusammen einen Apfelkuchen gebacken! 

Eigentlich gefällt mir meine Arbeit sehr gut, da ich mich mit all meinen Ideen einbringen kann und mich meine Chefin und auch die Kinder bei allem unterstützen. Auch die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich freu mich immer, wenn sie schon auf mich zu rennen, wenn ich um die Ecke biege. Auch über ihre Motivation beim Englisch lernen bin ich sehr beeindruckt. Ein Mädchen begrüßt mich immer mit "Hello teacher Anna" und verabschiedet sich mit "Good afternoon teacher, see you tomorrow!". Auch wenn es an manchen Tagen besser klappt als an anderen, bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich in Luz del Mundo bewirken kann. Der einziger Haken ist, dass ich nur vier Mal in der Woche arbeite und dadurch manchmal das Gefühl habe, ich mache zu wenig. Ab Januar habe ich jedoch vielleicht die Chance zweimal pro Woche nachmittags in einer anderen Einrichtung zu arbeiten, mal sehen!

 

Oh und im Moment bin ich übrigens wieder in La Paz mit dem Brillenprojekt. Das aufregende an diesem Aufenthalt ist, dass wir von einem Filmteam des Stern TVs begleitet werden und man uns vielleicht Ende November oder Anfang Dezember im Stern TV sehen kann...:) Aber ich sag dann noch mal Bescheid! Alles Liebe aus dem Fernen Bolivien!.

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Kommentare: 2
  • #1

    Margit Bernstein (Samstag, 19 November 2016 13:06)

    Liebe Anna,
    über Deinen ausführlichen Bericht zur Arbeit auf Deiner Einsatzstelle "Luz del Mundo" habe ich mich sehr gefreut und bin beeindruckt, welche verschiedenen Aufgaben Du vor Ort mit den Kindern übernimmst und meisterst! Besonders begeistert bin ich über Deine innere positive Einstellung zu den Kindern und deren Reaktionen Dir gegenüber sowie über Deine Offenheit, mit der Du diese sozialen Aspekte so natürlich darstellst. Ich wünsche Dir für Deinen weiteren Weg, dass Du Dir diese wesentlichen Grundlagen als Fundament erhältst und mit Mut, Kraft und Kreativität neue Projekte in Angriff nimmst. Dass Du so gute sprachliche Fortschritte machst, eröffnet bestimmt noch ungeahnte Möglichkeiten.!
    Bleibe gesund und sei herzlich umarmt von Deiner Margit

  • #2

    Sonja und Herbert Scheckenhofer (Samstag, 07 Januar 2017 16:01)

    Hola Anna!
    Von Margit wissen wir, dass Du momentan mit Deiner Mama auf dem Inka-Trail unterwegs bist. Wir denken oft an Euch und wünschen Euch beiden und der Gruppe ein gutes Gelingen, so dass Ihr Eure Ankunft in Machu Picchu genießen könnt. Wir hatten die Tour auch mal angedacht, haben uns dann aber für die übliche Touristen-
    Variante entschieden und sind nur von der Anlage hoch zur Puerta del Sol - dem Endpunkt des Trails gegangen. Allerdings gab es bei uns damals im Juni gelegentlich Neuschnee am Morgen - das werteten wir für uns sozusagen als Entschuldigung für die bequemere Variante. Mögt Ihr Schnee nur auf den Bergspitzen sehen und der Coca-Tee weiterhin wirken. Wir freuen uns, von Euren Erlebnissen zu hören und wünschen Euch noch viele schöne Erlebnisse in den Anden und in Bolivien, natürlich bei guter Gesundheit.
    Saludos de Sonja und Herbert aus Herten.